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VISIONS OF ARCHITECTURE
Ricardo Bofill
14. Mai 2021

VISIONS OF ARCHITECTURE

In einer über 3.000 Quadratmeter großen verlassenen Fabrik in der Nähe Barcelonas hat sich Architekt Ricardo Bofill sein Studio und Zuhause eingerichtet. Die ersten Bausteine für das Gebäude wurden bereits zu Zeiten des ersten Weltkrieges gelegt. Später wuchs die Fabrik modular immer größer, bis der Betrieb eingestellt wurde und sie Bofill in den 1970er Jahren zu seinem privaten Domizil umbaute.

Die ehemalige Zementfabrik ist steinerner Zeuge mehrerer Architekturströmungen und weist sowohl brutalistische Züge auf als auch abstrakte und surrealistische Seiten. Wie eine Skulptur hat Bofill ganze Flügel seiner zukünftigen Behausung freigesprengt. Heute ist sie nicht nur eine der außergewöhnlichsten Privatresidenzen, die wir jemals zu sehen bekommen haben, sondern steht stellvertretend für die architektonische Vielfalt Bofills Arbeiten. Ricardo Bofill ist einer der einzigartigsten Architekten des letzten Jahrhunderts.

Ähnlich wie die Zementfabrik bewegen sich seine Bauten immer irgendwo zwischen brutalistisch und surreal, zwischen pragmatisch und fantasievoll. Seit 1960 hat er mehrere Dutzend Gebäude geschaffen, von denen es einige zu internationaler Bekanntheit geschafft haben. So war sein „Versailles für das Volk“, ein Gebäudeensemble für den Pariser Vorort Noisy-le-Grand, der eigentlich Espaces d’Abraxas heißt, im zweiten Teil der „Die Tribute von Panem“-Filmreihe zu sehen. Das anspruchsvolle Objekt mit 600 Wohneinheiten sollte verschiedene soziale Schichten miteinander verschmelzen lassen. Leider wurde Bofills Vision nicht Wirklichkeit, da eine Vermischung einkommensstarker und einkommensschwacher Familien nie zustande kam. Allerdings bewies das Projekt, das der Gebrauch von Fertigbauelementen auch in Frankreich durchaus eine praktikable Lösung ist.

 

Im gestalten Verlag ist dieser Bildband mit Fotos von Salva Lopéz erschienen, der sich mit den wichtigsten Arbeiten Bofills beschäftigt. Kommentiert von unter anderem Nacho Alegre, Douglas Murphy und dem Meister selbst. ///

 

RICARDO BOFILL, VISIONS OF ARCHITECTURE, erschienen im gestalten Verlag, 300 Seiten, 24,5 × 33 cm

 

Text: Felix Just