-
-
-
 
PATRICK MASON
Fashion
23. September 2016

PATRICK MASON

Mit „The Alchemist & The Fool“ zeigte er in diesem Jahr bereits seine zweite Kollektion auf der Alternative Fashion Week in Berlin (BAFW). Im März schickte Patrick Mason seine Models in übergroßem Strick und Lackjacken über den Laufsteg. Das war kurz nachdem Mason erste Haute-Couture-Luft in Paris schnuppern durfte. Givenchy-Chefdesigner Riccardo Tisci lud den Mate-Illustrator auf seine Show in der französischen Hauptstadt ein. Nun will er auch international die Modeszene von sich überzeugen. Wir sprachen den Jungdesigner in seiner Wahlheimat in Berlin.

Foto: Andreas Waldschütz

ALS WIR UNS VOR EIN PAAR JAHREN KENNENGELERNT HABEN, HAST DU DICH NOCH PATRICE GENANNT, IN DER PRESSE LIEST MAN ABER NUR NOCH VON PATRICK MASON. WAS IST JETZT RICHTIG?

(lacht) Zu Hause konnte ich nicht immer der sein, der ich sein wollte. Als ich nach Berlin kam, war das für mich der Beginn eines neuen Kapitels, und da erschien es mir nur richtig, mir für diesen Neuanfang einen Künstlernamen zuzulegen. Viele meiner Kommilitonen von früher kennen mich auch nur unter dem Namen Patrice. Als es dann die erste Veröffentlichung gab – damals über ein Illustrationsprojekt, das ich gemacht habe – und ich diese meinen Eltern gezeigt habe, waren die natürlich nicht begeistert. (lacht) Das hat mich dann überzeugt, nur noch unter meinem richtigen Namen aufzutreten. Und Patrick Mason ist ja auch ein klangvoller Name.

 

WO IST ZUHAUSE?

Bis zu meinem 14. Lebensjahr habe ich in Weiden gewohnt. Das ist ein kleines Städtchen in der Oberpfalz. Später bin ich mit meinen Eltern in die Nähe von Regensburg gezogen.

 

WIE IST DAS SO ALS AUFSTREBENDER DESIGNER UND KÜNSTLER AUF DEM LAND IN BAYERN AUFZUWACHSEN? IST DIR DAS SCHWERGEFALLEN?

Jein. Ich war in Bayern wesentlich weniger auffällig gekleidet als heute. Das war auch gar nicht möglich. Man wurde schon komisch angeguckt, wenn man eine farbige Hose anhatte. Hinzu kam, dass meine Eltern eigentlich wollten, dass ich BWL studiere, irgendetwas Vernünftiges mache, etwas Anständiges. Sie meinten, Design sei eine brotlose Kunst. Für mich war aber klar, dass etwas Pragmatisches wie BWL nicht zu mir passen würde. Ich wollte mich ausdrücken. Zunächst tat ich das über Design, die Mode kam später.

 

WANN HAST DU ANGEFANGEN, DICH FÜR MODE ZU INTERESSIEREN? GAB ES EINEN SCHLÜSSELMOMENT?

Ja, den gab es. Kurz nachdem ich nach Berlin gezogen bin, habe ich im Internet eine Fashion-Show von Alexander McQueen gesehen. Das war die erste Show, bei der ich geweint habe. Die Models, die Klamotten, die Inszenierung: Das alles hat mich so berührt.

 

IN DIESEM JAHR HAST DU DIE ALTERNATIVE FASHION WEEK MIT DEINER ERSTEN VOLLSTÄNDIGEN KOLLEKTION ERÖFFNET. WIE WAR DAS FÜR DICH?

Das erste Mal war ich letztes Jahr Teil der Alternative Fashion Week. Damals war ich gerade einmal im zweiten Semester. Alle um mich herum haben mich für verrückt erklärt. „Der kann kaum nähen und jetzt macht er eine Fashion-Show“, hieß es. Aber ich habe auch viel Unterstützung von Freunden und Familie und auch den Veranstaltern erfahren. Dieses Jahr habe ich meine zweite Kollektion gezeigt, die noch mal eins draufgesetzt hat und mich vor allem international weitergebracht hat. Ich bekomme jetzt Anfragen aus New York oder Tokio. Das macht mir natürlich ein bisschen Angst, weil gerade alles sehr schnell geht. Auf der anderen Seite bestärkt es mich auch in dem, was ich tue.

Foto: Andreas Waldschütz

WAS HAT ES MIT DEM NAMEN DEINER KOLLEKTION AUF SICH: THE ALCHEMIST & THE FOOL?

The Alchemist & The Fool ist eine Kollektion, die inspiriert wurde von Alejandro Jodorowskys Kunstfilm „Der heilige Berg“. Als mir mein Exfreund den Film damals das erste Mal gezeigt hat, habe ich ihn nach zwanzig Minuten wieder ausgemacht. Ein halbes Jahr später habe ich ihn mir dann doch noch einmal in Ruhe angeschaut. Und dann ein drittes Mal und ein viertes Mal. Mittlerweile ist es einer meiner Lieblingsfilme. Allein die Mode, die im Film gezeigt wird, war für das damalige Verständnis revolutionär. Und dann hat man diese beiden Charaktere: den Alchemisten, der mit seinem großen Hut und seiner schwarzen Kluft das Sinnbild der Vernunft und einer progressiv denkenden Generation ist, und den Dieb, der in einer Welt von Korruption lebt und nur nach Geld strebt. Im Film versucht der Alchemist, den Dieb zu bekehren. Ich habe mich in dieser Konstellation selbst wiedererkannt. Als ich nach Berlin kam, hatte ich eine rosarote Brille auf. Heute weiß ich, dass man hart für das arbeiten muss, was man erreichen will.

 

WENN DU DEN STIL VON MAISON MASON BESCHREIBEN MÜSSTEST …

Der Name meines Labels setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Das Wort Maison spiegelt für mich schon immer die Pariser Haute-Couture-Szene wieder: aufwendig gefertigte Sachen und High-End-Produkte. Mason wiederum, das ist meine Persönlichkeit, das Aufregende, das Spielerische. Maison Mason verbindet also High-End-Tailoring mit der Verrücktheit meiner Person.

Foto: Andreas Waldschütz

WIE WICHTIG IST DIR MODE GANZ PRIVAT? BIST DU IMMER VON KOPF BIS FUSS DURCHGESTYLT ODER GEHST DU AUCH MAL IN SWEATPANTS AUF DIE STRASSE?

Ich würde selbst von mir sagen, dass ich ein Narzisst bin. Für mich ist das gar kein negativer Begriff, sondern beschreibt einen Menschen, der viel Selbstreflexion betreibt. Und das sieht man auch in der Mode, die ich selbst trage. Ich habe einen Lidl um die Ecke, der ist keine fünfzig Meter von meiner Haustür entfernt, und ich kann dort nicht in Jogginghose auftauchen. Du weißt nie, wen du triffst.

 

WEN HAST DU DENN SCHON MAL BEI LIDL GETROFFEN, DER SO WICHTIG WAR?

(lacht) Es gab vor zwei Jahren, kurz nachdem ich eingezogen bin, diesen Typen, dem ich am Briefkasten begegnet bin. Er hat mir zugezwinkert, auch wenn ich überzeugt war, dass er hetero ist. Dann habe ich ihn eines Tages bei Lidl getroffen. Bloß gut, dass ich mich vorher in Schale geschmissen hatte, denn der Pulli, den ich anhatte, war der Gesprächsöffner. Und deswegen sage ich auch: You never know! (lacht)

 

DU WARST VOR KURZEM IN PARIS AUF DER SHOW VON GIVENCHY. WIE KAM ES DAZU?

Riccardo Tisci folgt mir seit zweieinhalb Jahren auf Instagram. Wir liken gegenseitig unsere Bilder und schreiben ab und zu Kommentare hin und her. Als er Anfang dieses Jahres sein Lookbook für die Pre-Fall Collection hier in Berlin geshootet hat, habe ich das natürlich verfolgt und gehofft, dass man sich irgendwo über den Weg läuft. Ich war also am Wochenende mit meinen Freunden im Berghain feiern, tanze in der Panoramabar und sehe plötzlich Riccardo Tisci am DJ-Pult stehen, keine zwei Meter von mir entfernt. Wir haben uns dann sofort auf einen Schnaps an der Bar niedergelassen und fast vier Stunden gequatscht. Ich habe ihm meine Kollektion gezeigt, er hat mir Tipps gegeben und dann hat er mich auf seine Show in Paris eingeladen.

 

ERZÄHL MAL!

Ich war vorher noch nie in Paris, geschweige denn auf einer Fashion-Show in Paris. Das ist ein ganz anderes Level als in Berlin. Givenchy war schon immer eines meiner Lieblingslabels. Es war also ein Traum, der da in Erfüllung gegangen ist. Im Januar war ich auf der ersten Show und dann im Februar gleich auf der zweiten, und so langsam hat sich die Modewelt auch für mich ein bisschen geöffnet. Ich habe sehr, sehr viele Leute kennengelernt, gerade auf der After-Show-Party, und kann sagen, ich habe einen Fuß in der Tür. Jetzt versuche ich, mich mit dem ganzen Körper durchzuquetschen. (lacht)

 

MIT ALL DEN NEUEN MEDIEN WIE INSTAGRAM, FACEBOOK UND JETZT SNAPCHAT: GLAUBST DU, ES IST HEUTE EINFACHER, ALS DESIGNER DURCHZUSTARTEN, ODER SCHWIERIGER, WEIL DER POTENZIELLE KÄUFER EINFACH ÜBERSCHWEMMT WIRD?

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich bin der Meinung, viele Jungdesigner wissen nicht, sich selbst richtig zu vermarkten. Viele legen keinen Wert mehr darauf auszusortieren, was sie da hochladen. Ich als Kommunikationsdesigner und Art Director habe da natürlich einen Vorsprung und weiß genau, wie ich mein Produkt und mich am besten präsentiere, um eine zuvor ausgewählte Zielgruppe am besten anzusprechen. Alles, was ich poste, ist zielgerichtet. In einer Welt, in der alles blinkt und verlinkt wird, verlieren Jungdesigner oft den qualitativen Anspruch aus den Augen.

 

 

DU DESIGNST, DU ZEICHNEST, DU KANNST SINGEN: GIBT ES EIGENTLICH ETWAS, DAS DU NICHT KANNST?

Mathe! (lacht) Man sagt ja, dass die eine Gehirnhälfte bei bestimmten Menschen aktiver ist als die andere. Ich weiß nicht, welche Seite für was verantwortlich ist, aber die Gehirnhälfte, die für Physik, Chemie und Mathe zuständig ist, die ist bei mir sicher ein wenig verschrumpelt. (lacht) Dafür ist die andere ganz gut aufgegangen. /// www.instagram.com/iampatrickmason

 

Interview: Felix Just

23. September 2016 Fashion m # zum mate.style.lab